Werkforum 2023
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Werkforum 2023

7. Werkforum „Plastische Perspektiven“ vom 26.8. – 02.09.2023
im Skulpturenpark und Parksaal Bad Salzhausen.

Ausstellende Künstler*innen Werkforum 2023: 

Als wir vor ein paar Monaten das Atelier und den Showroom Günter Brauns in Eppelheim bei Heidelberg besuchten, tat sich uns dort ein sehr besonderer Ort eines sehr besonderen Bildhauers auf. Eine gewaltige Anzahl an Stein- und auch Holzarbeiten lagerte dort im Freien und ebenso in seiner Werkhalle, so dass man zunächst aufgrund dieser Vielzahl ins Staunen geriet. Dieses Staunen verwandelte sich bald in Begeisterung, denn es gelingt dem ursprünglichen Autodidakten Günter Braun, aus diesen spröden Materialien Skulpturen von großer Präzision und verblüffender Einfachheit entstehen zu lassen. Mit technischer Raffinesse lässt er den von ihm bevorzugten, harten Granit weich und aufgebrochen erscheinen, bringt ihn in Formzusammenhänge, die dem Material als unmöglich abzuringen erscheinen. So entstehen zeichenhafte Werke von großer Ausdrucksstärke und metaphorischer Inhaltlichkeit, die deutlich machen, dass es Günter Braun um mehr geht als Form und Material, nämlich um die philosophischen Dimensionen dahinter.

Bereits vor 12 Jahren hat Angelika Summa unseren Skulpturenpark beim 3. Internationalen Bildhauersymposium mit ihrer Arbeit „Großes Rasenstück“ bereichert, indem sie -Albrecht Dürer zitierend-inmitten einer Stahlskulptur einen geschützten Naturraum inszenierte. Ihre aktuelle Arbeit, die ab diesem Sommer in Bad Salzhausen zu sehen ist, trägt den Titel „Postnaturalie“, – („nach dem Weltuntergang ist es bestimmt auch schön – nur anders“.). Erneut thematisiert sie hierin die bedrohte Natur bzw. den durch die Menschheit bedrohten Planeten. Wiederholt benutzt sie das für sie übliche Material Stahldraht, das sie stark abstrahiert, skulptural einsetzt. Handwerklich versiert, in diesem Fall doch eher grob und ungeordnet, assoziiert ihre Arbeit einen aus dem Gleichgewicht geratenen Denkraum, der entscheidende Fragen unserer Zeit aufwirft. Nicht zuletzt auch nach unserem persönlichen Verhalten dazu.

Aus Köln kommt Gesine Grundmann nach Bad Salzhausen. Sie studierte an der Düsseldorfer Akademie unter anderem bei Tony Cragg sowie Hubert Kiecol, und sie war Meisterschülerin bei Rosemarie Trockel. Ihre jüngste Teilnahme am 3HäuserKunstpfad in der Eifel brachte sie mit unserem Skulpturenprojekt in Verbindung und so wird sie nun hier eine Arbeit zeigen, die dort unlängst als Installation mit einer finalen Feueraktion zu sehen war: Ein metallener gelber Käfig, aufgepflanzt auf eine Art Stativ, diesem zu Füssen ein überdimensioniertes, an eine Kette gelegtes Ei. Ebenso wie bei dieser Arbeit werden bei allen ihren eindrucksvollen Werken Fragen aufgeworfen, die sich nicht vordergründig beantworten lassen. Etwa nach der Materialgerechtigkeit eines Objektes oder nach deren Verortung im jeweiligen Raum. Auch ein Titel wie: „Wessen Probleme möchte ich eigentlich haben?“ irritiert den Betrachter ihrer Werke und lässt ihn in ungewohnten Bezügen assoziieren. Wir sind gespannt auf Gesine Grundmanns Beitrag beim diesjährigen Werkforum und dessen aufgeworfene Fragestellungen.

Die figürliche Holzbildhauerin Nadine Elda Rosani wird beim diesjährigen Werkforum eine Art Symposiumsflair verbreiten, denn sie wird vor Ort in der Nähe des Parksaals eine neue Arbeit entstehen lassen. So gibt sie den interessierten Besuchern und Gästen während der Ausstellungswoche Gelegenheit, ihre Arbeitsweise, ihre Gedanken zum Werk sowie deren Genese kennenzulernen. Zwei unlängst gefällte Lärchenstücke aus dem Park warten auf sie und ihre Kettensäge.
Nadine Elda Rosanis Figuren leben von einer starken Emotionalität, die sich sowohl in ihrem besonderen Abstraktionsgrad und Ausdruck ihrer Gestik, als auch in der entsprechenden Materialität und deren Oberflächenbeschaffenheit ausdrücken. Wir und die Besucher:innen des Werkforums dürfen gespannt sein, ihren Arbeitsprozess neugierig beobachten zu dürfen.

Bei einem Besuch im Frühjahr dieses Jahres im Grödnertal bei Thaddäus Sacher, offenbarte sich ein Künstler von großer Intensität und Ausdruckskraft. Geprägt von der großartigen Landschaft der Dolomiten und seinem Leben als Alpinist und Grenzgänger, wurde rasch deutlich, dass man es mit einem im besten Sinne spirituellen Künstlerblick zu tun hat. Seine stark verinnerlichte und „stille“ Arbeit „Vision“, die er mit nach Bad Salzhausen bringen will, wird im Park in einen spannungsreichen Dialog mit dem Betrachter treten, bei dem es vielleicht um die „Poesie der Stille“ geht, denn so jedenfalls lautet einer der Katalogtitel zu seinen Werken.
Salcher kennt sich aus mit den klassischen Bildhauer-Techniken. Ursprünglich eine Steinskulptur mit stark zerklüfteter Oberfläche, so zeigt sich „Vision“ nun als Eisenguss, der diese Oberfläche durch den Witterungsprozess des Weiterrostens farbig noch steigert und sich so komplementär in unsere oberhessische Parkanlage wunderbar einfügen wird.